Am vergangenen Mittwoch (18.3) und am vergangenen Freitag (20.3) waren Opfer der SED-
Diktatur als Zeitzeugen zu Gast im Bochumer Lessing-Gymnasium im Stadtteil Langendreer.
Als ersten Gast durften zwei zehnte Klassen den promovierten Historiker Dr. Peter Keup
begrüßen. Keup wuchs in der DDR auf und hatte dort unter Repressalien zu leiden, nachdem
seine Eltern 1975 einen Ausreiseantrag gestellt hatten. 1982 unternahm er selbst einen
Fluchtversuch in die Bundesrepublik, bei dem er im Zug aufflog und wenig später verhaftet
wurde. Wegen „Vorbereitung der Republikflucht“ wurde der heutige Historiker in dem
Unrechtsstaat zu mehreren Monaten Haft verurteilt, in welcher er unter unmenschlichen
Bedingungen litt. Im März 1982 durfte Keup die DDR dann doch noch verlassen: Die
Bundesrepublik hatte ihn freigekauft. Nachdem Keup dreizehn Jahre nach dem Mauerfall
erfahren hatte, dass sein eigener Bruder als sog. „inoffizieller Mitarbeiter“ für die
Staatssicherheit der DDR tätig war, entschloss er sich zum Studium der
Geschichtswissenschaft.
Zwei Tage nach dem Treffen mit Dr. Keup erhielten die anderen drei zehnten Klassen der Schule
Besuch von Renald Heilmann. Der 1962 geborene Zeitzeuge absolvierte nach seiner
Schullaufbahn eine Lehre in der DDR. Bereits dort stellte er fest, dass der von der DDR-
Führung propagierte Erfolg des Staates nicht der Realität entsprach, da es häufig an Baumaterial
mangelte. Dennoch verweilte Heilmann bis ins junge Erwachsenenalter in der DDR. Als 1984
eine große Ausreisewelle um sich griff, stellte auch Heilmann einen Ausreiseantrag. Dieser
blieb unbeantwortet, sodass Heilmann nach der Abwägung verschiedener Fluchtmöglichkeiten
beschloss, mitten in der Nacht auf den Checkpoint Charlie in Berlin zuzulaufen, um dort seinen
Ausreisewunsch vorzutragen. Es folgten eine Verhaftung und ein Jahr Haft im Gefängnis der
Staatssicherheit, bevor Heilmann von der Bundesrepublik freigekauft wurde und in den Westen
auswandern konnte.
Die Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums, die sich im Geschichtsunterricht
zurzeit mit der deutschen Teilung beschäftigen und ein fundiertes Sachwissen zu dem Thema
mitbrachten, interessierten sich insbesondere für die Auswirkungen auf die Familien der
Zeitzeugen und auf die Veränderungen in den jeweiligen Leben durch die Ausreise in die
Bundesrepublik. Die Veranstaltung wurde von der Stiftung „Aufarbeitung der SED-Diktatur“
gefördert und mit Hilfe von Dr. Frank Hoffmann von der Ruhr-Universität Bochum umgesetzt.
Letzterer übernahm auch die Moderation der Veranstaltung, die mittlerweile zur Tradition am
Bochumer Lessing-Gymnasium geworden ist.


Kerstin Schomers, Julia Roß, Christopher Boes